
|
Die
ultimative Terrariensteuerung zur Simulation von klimatischen Jahreszyklen
von
TIM
WIEGMANN
Bei der artgerechten Haltung von Terrarientieren stellt die Simulation der klimatischen
Verhältnisse eine besondere Herausforderung dar. Die meisten der handelsüblichen
Temperatursteuerungen bieten in der Regel nur die Vorwahl einer Temperatur und
bestenfalls noch eine fest vorgegebene Nachtabsenkung. Beleuchtung und Einrichtungen
zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit werden üblicherweise über Zeitschaltuhren
gesteuert. Ein Jahreszyklus mit Schwankungen von Temperatur, Luftfeuchtigkeit
und Beleuchtungsdauer, wie er auch für die erfolgreiche Reproduktion vieler
Arten erforderlich ist, kann somit nur durch ständiges, manuelles Nachstellen
der einzelnen Komponenten erreicht werden. Da dies auf Dauer sehr umständlich
und lästig ist, entschloss ich mich eine bequemere und praktikablere Lösung
zu entwickeln. |
| Steuerung
und Sensor |
Da
ich aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit mit der Entwicklung verschiedener
Steuerungslösungen beschäftigt bin, war das grundsätzliche Konzept
für solch eine Steuerung relativ schnell ausgearbeitet. Als Basis dieser
Lösung wählte ich die programmierbare Kleinsteuerung "Millenium
CD12", von der Firma Crouzet.
Diese Steuerung verfügt über vier potentialfreie Schaltausgänge,
von denen jeder bis zu 8 Ampere (Ohmsche Last) schalten kann. Des Weiteren stehen
insgesamt acht Eingänge zur Verfügung, von denen bis zu vier Stück
als Analogeingänge genutzt werden können. Im Gegensatz zu digitalen
Eingängen, die nur die Schaltzustände EIN oder AUS kennen (Spannung
liegt an oder keine Spannung liegt an), können über Analogeingänge
auch variable Spannungen abgefragt werden.
Um über die analogen Eingänge Temperatur und Luftfeuchtigkeit messen
zu können werden somit Sensoren benötigt die eine Spannung ausgeben,
welche sich proportional mit der Temperatur bzw. Luftfeuchtigkeit ändert.
Nach einer ausgiebigen Recherche wurde ich bei der Firma Driesen
+ Kern fündig, die einen Sensor der Firma Sensirion
mit entsprechender Beschaltung anbietet. Die
nur 11 x 50 mm kleine Platine, mit der Bezeichnung "DKRF4001", besitzt
einen kombinierten Temperatur- und Luftfeuchtigkeitssensor. Abhängig von
Temperatur und Luftfeuchtigkeit gibt die Platine über den jeweiligen Ausgang
eine Spannung zwischen 0 - 10 Volt aus, die über die Analogeingänge
der Steuerung ausgewertet werden kann.
|
| Jahreszyklus
und Sollwerte |
Da
nun die aktuellen Werte (IST Werte) für Temperatur und Luftfeuchtigkeit ermittelt
werden konnten, musste noch ein Weg gefunden werden, um die gewünschten Vorgabewerte
(SOLL Werte) zu realisieren. Dieser Punkt bedurfte einiger Überlegung um
einen guten Kompromiss zwischen Genauigkeit auf der einen Seite und Praktikabilität
und verfügbarem Speicherplatz auf der andern Seite zu finden. Grundsätzlich
werden sechs verschiedene Sollwerte benötigt: Tagestemperatur, Nachttemperatur,
Tagesluftfeuchtigkeit, Nachtluftfeuchtigkeit,
Einschaltzeit der Beleuchtung und Ausschaltzeit der Beleuchtung. Um einen exakten
Klimaverlauf zu simulieren wären das für 365 Tage im Jahr somit insgesamt
2190 Sollwerte. Eine solch große Anzahl von Sollwerten zu hinterlegen hätte
in jedem Fall die verfügbare Speicherkapazität der Steuerung überstiegen.
Außerdem wären dadurch Änderungen für andere Klimakurven
sehr zeitraubend geworden. Statt einer Unterteilung für jeden Jahrestag,
entschied ich mich daher für eine annährend wöchentliche Unterteilung
(1.-7. Tag des Monats, 8.-15. Tag des Monats, 16.-23. Tag
des Monats, 24.-letzter Tag des Monats). Da der vorhandene Programmspeicher dennoch
zu klein war, wurden die separaten Sollwerte für die Nachtluftfeuchtigkeit
wieder verworfen. Stattdessen wird nun nachts lediglich der Sollwert der Tagesluftfeuchtigkeit
um einen gewissen Prozentsatz angehoben. Somit ergeben sich insgesamt 240 unterschiedliche
Sollwerte, mit denen sich dennoch ein recht genauer, klimatischer Jahreszyklus
realisieren lässt. Als Beispiel finden sich nebenstehend Diagramme zu einer
Steuerung, die ich in dem Terrarium meiner Schwarzleguanen (Ctenosaura similis)
eingesetzt habe. |
| Heizung |
Der
Wert der gemessenen Temperatur wird von der Steuerung mit dem derzeit gewählten
Sollwert verglichen. Ist der gemessene Wert 0,5°C niedriger als der Sollwert,
so wird Ausgang 3 eingeschaltet. Über Ausgang 3 kann somit eine Heizung (z.B.
Heizstrahler) eingeschaltet werden. Ausgang 3 bleibt solange eingeschaltet, bis
die gemessene Temperatur um 0,5°C über dem Sollwert liegt. Die Unter-
bzw. Überschreitung des Sollwerts ist erforderlich, damit der Ausgang nicht
ständig ein- und ausschaltet.
Wenn die Beleuchtung eingeschaltet ist nutzt die Steuerung den Sollwert für
die Tagestemperatur. Ist die Beleuchtung ausgeschaltet wählt die Steuerung
automatisch den Sollwert für die Nachttemperatur.
Die gemessene Temperatur wird im Display der Steuerung angezeigt und blinkt solange
Ausgang 3 eingeschaltet ist. |
| Beregnungs-
oder Vernebelungsanlage |
Der
Wert der gemessenen Luftfeuchtigkeit wird von der Steuerung mit dem derzeit gewählten
Sollwert verglichen. Ist der gemessene Wert 2% niedriger als der Sollwert, so
wird Ausgang 4 eingeschaltet. Über Ausgang 4 kann dann z.B. eine Beregnungs-
oder Vernebelungsanlage eingeschaltet werden. Wenn die Luftfeuchtigkeit den Sollwert
dann um 0,1% überschreitet, wird Ausgang 4 wieder ausgeschaltet. Sobald die
Beleuchtung ausgeschaltet ist, wird der Sollwert für die Luftfeuchtigkeit
um einen gewissen Prozentsatz erhöht (abhängig von den Ansprüchen
der gepflegten Tiere). Sofern Ausgang 4 nicht während des Abschaltens der
Beleuchtung eingeschaltet war, bleibt Ausgang 4 zunächst für mindestens
eine halbe Stunde inaktiv, da die Luftfeuchtigkeit erfahrungsgemäß
von alleine im Terrarium ansteigt, wenn die Temperatur sinkt.
Die gemessene Luftfeuchtigkeit wird im Display der Steuerung angezeigt und blinkt
solange Ausgang 4 eingeschaltet ist. |
| Beleuchtung |
Die
Steuerung vergleicht, ob die Uhrzeit der internen Uhr im Bereich zwischen den
Sollwerten für Ein- und Ausschaltzeit liegt. Trifft dies zu, so wird Ausgang
1 eingeschaltet. Uhrzeit und Datum der internen Uhr werden im Display der Steuerung
angezeigt. |
| UV-Licht |
Da
die Beleuchtungsdauer des UV-Lichts stark vom Bestrahlungsabstand und dem verwendeten
Leuchtmittel abhängt, wurde die Steuerung so programmiert, dass diese Zeit
manuell eingegeben werden kann. Werden die Tasten A und B gleichzeitig gedrückt,
so kann man sich die voreingestellten Zeiten ansehen. Wurde zuvor noch keine Zeit
eingegeben, so kann die Taste OK gedrückt werden, um dies nachzuholen. Nach
dem Druck auf die OK-Taste ist die Einschaltuhrzeit auf 12:00 Uhr voreingestellt.
Diese Zeit kann nun noch mit den Plus- und Minustasten verändert werden.
Durch einen erneuten Druck auf die OK-Taste wird die Einschaltuhrzeit gespeichert
und man gelangt zu der Anzeige, in der die Ausschaltuhrzeit des UV-Lichts eingestellt
werden kann. Der zunächst angezeigte Wert entspricht der zuvor eingestellten
Einschaltuhrzeit und kann nun mit den Plus- und Minustasten verändert werden.
Durch erneutes drücken der OK-Taste wird auch dieser Wert gespeichert. Mit
der ESC-Taste kann dieses Menü anschließend wieder verlassen werden.
Befindet sich die Uhrzeit der internen Uhr innerhalb der ausgewählten Ein-
und Ausschaltuhrzeit, so kann über Ausgang 2 eine entsprechende UV-Beleuchtung
eingeschaltet werden. |
| Optionale
Erweiterungen |
Türkontakt
Da mein Terrarium zur Haltung von Schwarzleguanen sehr groß und begehbar
ist, war es mir wichtig, dass ich mich nicht an den Heizstrahlern verbrenne oder
die Beregnungsanlage gerade dann einschaltet, wenn ich mich im Terrarium befinde.
Daher wurde Eingang 1 der Steuerung für den Anschluss eines Türkontakts
vorgesehen. Sobald nun die Tür des Terrariums geöffnet ist, werden Ausgang
3 (Heizung) und Ausgang 4 (Beregnung) deaktiviert.
Schwimmerschalter
Die
im Terrarium eingesetzte Beregnungsanlage bezieht Ihr Wasser aus einem Kanister.
Da viele Pumpen Schaden nehmen wenn Sie längere Zeit ohne Wasser betrieben
werden, wollte ich dagegen auch noch eine entsprechende Sicherheitsmaßnahme
integrieren. Der Kanister wurde daher von mir mit einem Schwimmerschalter versehen.
Sobald im Kanister ein zu geringer Wasserstand erreicht ist, schaltet Schwimmerschalter
eine Spannung auf Eingang 2 der Steuerung. Die Steuerung blockiert dann Ausgang
4 (Beregnung) und statt des Datums und der Uhrzeit erscheint die Meldung "FÜLLSTAND
DES WASSERS PRÜFEN !!!" auf dem Display. Da der Kanister zum Befüllen
aus dem Terrarium entnommen werden muss, ist der Schwimmerschalter über einen
3,5 mm Klinkenstecker an die Steuerung angeschlossen. Die Klinkensteckerbuchse
besitzt einen Schaltkontakt der schließt, sobald der Stecker abgezogen wird.
Somit ist auch bei entnommenem Kanister sichergestellt, dass Ausgang 4 deaktiviert
ist.
Rauchmelder
Kurz bevor die Schwarzleguane das Terrarium bezogen, hatte ich noch einen HQI
Strahler installiert. Nur wenige Tage nach dem Einbau des Strahlers brannte dessen
Zündgerät durch, was eine enorme Rauchentwicklung innerhalb des Terrariums
zur Folge hatte. Um die Gefahren durch solche oder ähnliche Zwischenfälle
in Zukunft zu minimieren, entschloss ich mich einen Rauchmelder mit Schaltausgang
nachzurüsten. Im Falle einer Rauchentwicklung im Terrarium wird nun Eingang
3 der Steuerung aktiviert. Dies hat zur Folge, dass die Ausgänge 1, 2 und
3 (Licht, UV-Licht und Heizung) sofort abschalten und Ausgang 4 (Beregnung) für
eine Minute aktiviert wird. Diese einminütige Einschaltung der Beregnungsanlage
kann im Ernstfall dann vielleicht die Luft ein wenig von Rauch und Russpartikeln
reinigen oder Schwelbrände löschen. Der Schwimmerschalter im Wasserkanister
wurde übrigens so platziert, dass immer noch genügend "Löschwasser"
verbleibt. Um den Rauchmelder regelmäßig auf seine Funktionstüchtigkeit
überprüfen zu können, ohne die zuvor beschriebene Notfallschaltung
zu aktivieren, wurde zwischen Schaltausgang des Rauchmelders und Eingang 3 ein
Öffnerkontakt zwischengeschaltet. Durch Betätigung dieses Kontaktes
kann der Rauchmelder getestet werden, ohne dass Eingang 3 der Steuerung aktiviert
wird.
|
|